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14.09.2020

Augsburger Bischof Bertram Meier geht neue Wege im Gottesdienst

Ein reiner Wortgottesdienst ohne Pfarrer als Ersatz für eine Eucharistiefeier am Sonntag war bisher verpönt im Bistum. Jetzt geht der Augsburger Bischof Bertram Meier neue Wege. In der sogenannten Chrisammesse an diesem Montag rief er dazu auf, die kirchlichen Dorfgemeinschaften nicht ausbluten zu lassen. Denkbar, so Bischof Bertram, seien Wortgottesdienste mit Kommunionspendung durch ausgesandte Kommunionhelfer-/innen, die von einer zentralen Eucharistiefeier kommen

Bischof Bertram predigte im Rahmen der Chrisammesse im Augsburger Dom, die normalerweise in der Woche vor Ostern gefeiert wird, was in diesem Jahr jedoch nicht möglich war. Der Name der Chrisammesse nimmt Bezug auf die Heiligen Öle, die bei der Taufe, Firmung, Weihe und Krankensalbung zum Einsatz kommen und die in dieser Heiligen Messe für das ganze Bistum geweiht werden. Zudem erneuern die anwesenden Priester gegenüber dem Bischof ihr Weiheversprechen. So waren unter den rund 250 Teilnehmenden im Dom überwiegend Priester und Diakone aus allen Dekanaten der Diözese, zudem einige pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Mitfeier vieler Priester und Diakone nutzte Bischof Bertram dann auch in seiner Predigt für einige weitere grundlegende Aussagen, welche Aspekte ihm für die zukünftige Ausrichtung der Seelsorge wichtig sind. Mit dem ersten Grundsatz unterstrich Bischof Bertram, dass Räume – so wertvoll und wichtig sie auch seien – leer und damit sinnlos blieben, wenn sie nicht mit Leben, mit der Lebenszeit konkreter Menschen gefüllt würden. „Macht eure Räume auf mit Zeit für die Menschen!“, rief daher Bischof Bertram seinen Mitbrüdern und Mitarbeitern zu. Die Bedeutung von konkreten Räumen könne sich wandeln oder ganz verloren gehen. Wichtig, so der Bischof, sei das Geschenk der Zeit, der Zuwendung zu den Menschen, Verbindlichkeit und Bindungen, auch und gerade in Zeiten von Corona.

Mit dem zweiten Grundsatz legte Bischof Bertram den Fokus auf das Wort Gottes, das Jesus Christus selber sei. So wichtig die Sakramente, nicht zuletzt die Eucharistie, für das Leben der katholischen Kirche auch seien, „die Evangelisierung geht der Sakramentalisierung voraus“, so Bischof Bertram. In der Feier des Wortes Gottes begegneten die Gläubigen Jesus Christus selbst, dem Wort, das keine Sache, sondern Person ist. Dies komme auch darin zum Ausdruck, dass einzig „Verbi“, „Wort“ im bischöflichen Wahlspruch großgeschrieben ist. Das Lob Jesu Christi und die Feier des Wortes Gottes sollten nicht verstummen, nicht in entlegenen und kleinen Gemeinden, auch nicht angesichts des Priestermangels. Vor diesem Hintergrund regte Bischof Bertram eine Umsetzung der Beschlüsse der Diözesansynode von 1990 zur Wortgottesfeier, auch an Sonntagvormittagen, an.